Neues Bauen - 80 Sekunden: Taskforce Gebäudetyp E gegründet
(26.2.2025) Das Netzwerk „Neues Bauen - 80 Sekunden” hat eine Multi-Expertise-Taskforce gegründet, um einen standardisierten, nachhaltigen und skalierbaren Gebäudetyp E zu entwickeln, mit dem Ziel, den Wohnungsbau wieder bezahlbar zu machen. Der Zusammenschluss vereint führende Akteure der Branche wie Vertreter aus den Vorständen und leitenden Positionen von Goldbeck, Westenergie, Vonovia, BUWOG, Schüco und der Stadt Bochum.
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Bild: Neues Bauen - 80 Sekunden
Robert Kroth, Geschäftsführer von „Neues Bauen - 80 Sekunden”: „Wir müssen als Branche Angebote formulieren, um deutlich zu machen, welcher Weg möglich ist. Dann passiert nämlich Folgendes: Dann prasseln nicht die Regularien auf uns ein, nein, dann hört uns die Politik zu und dann schaffen wir es an der Stelle, dass wir in der Lage sind, Standards zu setzen.”
Modellprojekt Bochum
Das erste Projekt soll in Bochum realisiert werden. Dieses Modell soll als Blaupause für den bundesweiten Wohnungsbau etabliert werden.
Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch: „Wir brauchen neuen Wohnraum, und wir brauchen auch bezahlbaren Wohnraum. Gerade im nicht geförderten Neubaubereich muss man nach Wegen suchen, um Bauen günstiger zu machen. Bochum ist gerne und häufig dabei, wenn sich Partnerinnen und Partner finden, die mutig sind und Neues ausprobieren, daraus lernen und dann hinterher ihre Erfahrungen skalierbar in möglichst optimaler Weise umsetzen. Wir erhoffen uns davon nicht nur Wohnraum in Bochum, sondern auch ein gutes Beispiel dafür zu sein, wie man in Deutschland wieder schneller und effizienter bauen kann.”
Zusammen Grundlagen schaffen
Die branchenübergreifende Zusammenarbeit führender Vertreter aus Bau- und Wohnungswirtschaft, Energieversorgern, Herstellern und Kommunen soll eine Grundlage schaffen, um Synergien entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu identifizieren und gezielt zu nutzen.
- BUWOG, eine Tochter der Vonovia, übernimmt die Projektentwicklung und Projektkoordination, einschließlich der Grundstücksakquise und Genehmigungsprozesse.
- Die Stadt Bochum begleitet und unterstützt das Vorhaben, in Bochum das Pilotprojekt realisieren zu können.
- Goldbeck bringt seine Expertise im systematisierten und seriellen Bauen ein, um wirtschaftliche und hochwertige individuelle Wohnbauprojekte zu realisieren. Standardisierte Systembauteile sollen für hohe Effizienz und Qualität in der Ausführung sorgen.
- Schüco trägt mit seinen zirkulären, CO₂-armen Systemen für die Gebäudehülle zur Energieeffizienz und Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.
- Nach der Fertigstellung übernimmt Vonovia die Vermietung und das Immobilienmanagement.
- Westenergie bringt seine Expertise als Infrastrukturbetreiber in das Pilotprojekt ein und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Sektorenkoppelung, Systemplanung und kommunale Wärmeplanung werden kombiniert, um das gesamte Energiesystem effizient zu gestalten.
Laut den Experten sind zentrale Hebel, die zielgerichtete und nutzerorientierte Anwendung von Baunormen. Das Resultat: Mehr Effizienz beim Einsatz von Materialien sowie geringere Planungs- und Baukosten. Dies ermögliche kostengünstiges Bauen ohne Wohnen zweiter Klasse. Serielles Bauen ist dabei ein entscheidender Faktor, um die Kosten nachhaltig zu senken.
Der offizielle Kick-off der Taskforce fand im Rahmen eines Fach-Forums „Bau-Booster Gebäudetyp E” am 12. Februar 2025 bei der Westenergie AG in Essen statt. Vertreter der Taskforce, darunter Katherina Reiche (Vorstandsvorsitzende Westenergie), Daniel Riedl (Vorstand Vonovia), Holger Unkhoff (Geschäftsführer Goldbeck West), Dr. Thomas Schlenker (SVP Digitalisation Schüco) und Thomas Eiskirch (Oberbürgermeister Bochum) diskutierten gemeinsam mit Experten und Entscheidungsträgern aus Politik, Bauwirtschaft und Architektur die zentralen Voraussetzungen für die Umsetzung des Gebäudetyps E.
In Arbeitsgruppen wurden die Themen Planen, Finanzieren, Bauen sowie Betreiben und Versorgen erörtert, während ein Panel die politischen Rahmenbedingungen in den Fokus nahm. Im Rahmen der Diskussionen wurden erste konkrete Forderungen an die Politik formuliert, um die Umsetzung des Gebäudetyps E zu beschleunigen:
- Rechtssicherheit schaffen: Klärung der Haftungsfrage, um Verzögerungen und Rechtsunsicherheiten zu vermeiden.
- Bauordnungen anpassen: Abweichungen von bestehenden Normen erleichtern und bundeseinheitlich integrieren.
- Genehmigungen beschleunigen: Digitale und schlanke Prozesse statt langwieriger Abstimmungen zwischen Bundesländern.
- Gezielte Förderung: Förderprogramme auf serielle, effiziente Bauweisen ausrichten.
- Wissenschaftlich begleiten: Pilotprojekte analysieren und Best Practices verbreiten.
Diese Maßnahmen seien essenziell, um den Gebäudetyp E erfolgreich in die Praxis zu überführen. In den kommenden Monaten wird die Taskforce weiter an konkreten Lösungen arbeiten und den politischen Dialog intensivieren, um die Umsetzung auf den Weg zu bringen.
Gebäudetyp-E-Gesetz
Weitere Informationen und ein PDF-Download zum Gebäudetyp-E-Gesetz stehen auf der Webseite des Bundesministeriums der Justiz (BMJ) oder hier bereit. Ein PDF-Download der „Leitlinie und Prozessempfehlung Gebäudetyp E” steht auf der Website des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) oder hier zur Verfügung.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
- Neues Bauen - 80 Sekunden
- Bundesministerium der Justiz (BMJ)
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB)
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- Gebäudetyp-E-Gesetz beschlossen (Bauletter 11.11.2024)
- Änderung des Bauvertragsrechts für den Gebäudetyp-E (12.7.2024)
siehe zudem:
- Baupolitik, Gebäude-Energie-Gesetz (GEG), Baubranche, Architektur und Ingenieurbau bei BAULINKS.de
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